Das Bürgerspital und der Irrenarzt!

18.07.2021

Wie es in der Wolfshütte so üblich ist, werden die Stühle für die Geister vor der Sprechstunde zurecht gerückt und die Eingangstüre geöffnet. An diesem Tag, spürte ich schon sehr früh, dass die Geisterstunde recht anstrengend werden würde, so sammelte ich vorher noch etwas Kraft an meinem Hexenaltar.


Es nahm eine Hexenschülerin an der Geisterstunde teil und wir öffneten gemeinsam die Pforte in die Wolfshütte. Nach kurzem Warten, plötzlich ein Getümmel und eine große Gruppe Männer fielen regelrecht, in dem Raum ein. Sie platzierten sich überall rund um uns und es fühlte sich an, wie ein Ausflug einer Schülerklasse. Dies vermuteten wir als Erstes, doch es kam ganz anders.


Am Gebetsstuhl nahm der Kleinste von ihnen Platz und der ältere Mann setzte sich gegenüber von mir. Es ging von ihm eine große Autorität und Strenge aus, er wirkte sehr angespannt und strahlte eine extreme Energie aus, so extrem, dass die Hexenschülerin etwas eingeschüchtert war. Auch er hatte die Eigenschaft mit meinem Handy zu spielen und die Musik an und abzuschalten, je nach Gesprächsverlauf.


Du musst nämlich wissen, dass diese Energien nur wenige Geister besitzen und es die Gespräche mit ihnen etwas einfacher macht.


So nun ja, es waren nun neun Jugendliche im Alter von 11 - 22 Jahren und ein älterer, dunkelhaariger, recht fescher, 55 Jahre alter Mann in der Wolfshütte. So wie ich es immer tue, begrüße ich die Geister höflich und bitte sie darum, mir zu erzählen wie ich ihnen helfen kann. Danach entscheide ich immer, ob ich das Gespräch annehme und ob es meine Aufgabe ist hier zu helfen.


Hier war dies auf jeden Fall nötig und ich ermahnte die jungen Männer abermals zur Ruhe und bat um ihre Aufmerksamkeit. Dann wurde es endlich stiller und das Gespräch mit dem älteren Mann beging. Zuerst sprach er sehr abgehackt und in Stichworten bis ich genauer auf ihn eingehen konnte. Er sagte, dass sein Name Erich sei und er nichts von den Gräueltaten wusste.


Es war im Jahre 1892 und er war der Leiter des Bürgerspitals, deshalb strahlte er auch so eine Art Autorität aus, dessen man sich nur schwer entziehen konnte. Er erzählte uns von einem Arzt, der an Geisteskrankheiten forschte und bei ihm im Spital angestellt war.


Er zeigte mir Bilder vom Keller, Reagenzgläser mit Flüssigkeiten und Körperteilen, speziell Gehirne in allen Größen. An den Wänden waren so Art Handschellen und Ketten, auch einen Art OP Sessel sah ich. Dieser Arzt arbeitete im Keller des Bürgerspitals und lebte dort, seine schrecklichen Forschungen aus.


Nun sackt Erich etwas zusammen und murmelt davon, dass er doch die Verantwortung hatte, aber nichts davon mitbekommen hätte, was hier vor sich ging und als er es merkte war alles schon viel zu spät.


Nun sehe ich diesen Arzt, er ist dünn, groß, sehr blass, hat blonde kurze Haare, eine dicke Brille und einen Buckel. Ich sehe ihn in seinem weissen Mantel, in Erichs Büro sitzen, er hat eine dicke Mappe in den Händen und sichtlich Angst vor Erich, den Leiter des Spitals. Erich spricht ihn auf die schrecklichen Umstände an, sein Name ist Hermann.


Weil sie im Büro nicht auf einen Nenner kamen und Hermanns Anstellung am Spiel stand, beschloss der Arzt am Abend bei Erich zu Hause vorbeizusehen und mit ihm ein Gläschen Wein zu trinken und die Situation so abzukühlen. Erich hat ein wunderschönes Haus in der Stadt, modern eingerichtet und ich sehe die Beiden am Tisch zusammen sitzen. Hermann schüttet etwas Gift in Erichs Glas, als dieser kurz in der Küche war.


Erich starb noch in dieser Nacht und Hermann bekam seine Position als Leiter des Bürgerspitals, nun war er so mächtig wie er immer wollte, sein schrecklicher Plan ging auf. Ihr müsst aber dazu wissen, dass Hermann nicht mehr hier in der Geisterwelt ist, denn für Seelen die so schleckliche Taten im Leben begingen, gibt es nach dem Tode ein besonderes Plätzchen ganz Nahe bei Hel, in dem ihre Seelen wieder erhellt und gereinigt werden, bis sie wiedergeboren werden dürfen.


Nun kommen wir zu den Jungs, einer lieber wie der andere. Es wurde an ihnen eine Art Gehirnforschung betrieben, anschließend immer mit Todesfolge. Diese Jungs stammen alle wieder von dem gleichen "Kinderheim", wie schon die namenlosen Mädchen. Es wurde an den unschuldigen Kinder geforscht.


Nun ist es soweit und sie möchten unbedingt ihre Namen preisgeben. Da saß ein Egon, ein Herbert, ein Günther, ein Friedrich, der Paul, ein Gustav, der rothaarige Lauser Peter, der Jüngste von ihnen Martin und Mathias. Es war für sie eine große Erleichterung ihre Namen zu sprechen, aber nun ging es um die Zusammenführung und Auflösungsarbeit.


Wisst ihr wenn soviele Geister anwesend sind, dann kostet dies eine Menge Kraft und Energie, für uns Lebenden. Deshalb versuchen wir die Geisterstunde immer, in maximal zwei Stunden zu packen und abzuschließen. Denn die abschließende Zeremonie, mit der Verabschiedung dauert nochmals eine Stunde, somit wären wir bei 23 Uhr. :-)


Aber beginnen wir mit dem rothaarigen, quirligen Peterle, er kennt leider sein Alter nicht und ist ziemlich verwirrt. Spontan wie ich bin hole ich für ihn seine Angehörigen in die Wolfshütte. Nach kurzer Zeit erscheint eine sehr dünne, zarte, blasse, rothaarige Frau und ist sichtlich völlig erschrocken, aber unglaublich glücklich Peter zu sehen. Sie dachte er wäre bei der Geburt gestorben, zumindest hatte man dies ihr damals so mitgeteilt. Sie selbst landete nach einen Schicksalsschlag in einem christlichen Arbeitshaus, später dann in einem Arbeitslager und hier wurde sie auch unverheiratet schwanger mit Peter. Sie zeigt mir die Geburt und wie das kleine Baby, das winzige Bündel, in einem braunen Tuch eingewickelt, lieblos in die Ecke geschmissen wurde. Am nächsten Tag bemerkten die Hebammen erst, dass kleine Händchen von Peter, wie es sich bewegte. Er wollte definitiv LEBEN, leider brachte es ihm nur Leid. Nach diesen Stunden im kalten Eck, blieb ihm eine geistige Entwicklungsverzögerung zurück und als Peter älter wurde, kam er in das Spital. Erst wurden an ihm Medikamente erprobt, später dann .............Naja das möchte ich nun nicht alles schreiben. Seine Mutter steht neben ihm in der Wolfshütte und wickelt ihren Umhang um ihn, es ging so eine Herzenswärme von ihnen aus und sie nahm ihn dann mit zu ihr.


Nun rückte Egon näher, er ist 23 Jahre alt, sehr groß, dünn, blass wie alle von diesen Kindern, er hat dunkle, gelockte Haare, er schielt ein wenig und erzählt uns nun von seinem Zwillingsbruder. Er wuchs mit seinem Zwillingsbruder auch in diesem Kinderheim auf, mit 10 Jahren wurde sein Bruder adoptiert, ganz in der Nähe in einem kleine Ort W. und starb aber dann schon recht früh mit 15 Jahren, bei einem schrecklichen Arbeitsunfall. Er kam buchstäblich unter die Kutschenräder, der Schmerz war deutlich zu fühlen. Egon wurde es nicht mitgeteilt, aber er fühlte es, weil Zwillinge so etwas wissen und er ein hellsichtiges Kind war. Die Jahre im Horrorkeller verflogen, es wurden Medikamente an ihm getestet, bis er starb. Sebastian hieß sein Zwillingsbruder, ich holte ihn nun auch in die Wolfshütte und auch die Eltern. Nun stehen sie alle da und umarmen sich und freuen sich sehr. Ich sehe die Eltern an und es ist ihnen anzusehen, dass sie sehr arme Leute waren, aber die Kleidung ist sauber und die Menschen haben reine Herzen. Sie erzählen, dass sie die Zwillinge nur ganz kurz ins Heim brachten, da der Bauer, bei dem sie in der Arbeit standen, die Kinder nicht duldete. Sie wollten nur noch kurz etwas zusammen sparen und die Kinder wieder abholen. Als sie ihr eigenes zu Hause hatten und die Kinder abholen wollten, wurden sie nicht mehr hergegeben, man sagte dass sie verstoben wären. Das Leid der Familie ist nicht in Worten zu fassen, aber nun sind sie wieder zusammen und verschwanden gemeinsam in die andere Welt.

Nun meldete sich Günter und ich holte seine Angehörigen. Dies war besonders schön, da er eine riesige Familie hat und alle kamen, Eltern, Großeltern, einfach die ganze Familie. Sie nahmen ihn freudig in die Arme und flogen mit ihm hinüber.

Jetzt saß hier der kleine, schüchterne Friedrich und ich holte seine Angehörigen her. Es erschien ein sehr zugeknöpfter Vater im Anzug und nach längerem dann seine resche Mutter, mit Kuchenblech. Als ich dies verwundert anmerkte, sagte sie sehr schnippisch, was ich mir denn dabei denke, natürlich backe sie dort drüben auch Kuchen. Hahahaha so verrückt! Dann nehmen sie ihren Buben mit hinüber und schicken dann ein DANKE aus dem Jenseits.

Nun setzt sich der hübsche Martin zu uns. Ich rufe mehrmals seine Angehörigen, aber es kommt niemand. Ich versuche es erneut, aber ohne Resultat. Nachdem Martins Tränen kullerten, rufe ich seine Fylgja zu ihm, weißt du, dies ist sowas wie sein Schutzengel, sein Seelenbegleiter. Sie erscheint in einer Frauengestalt und streichelt Martin über den Kopf und sein Gesichtchen. Sie sagt zu uns allen, dass alles gut wird und wir ihr Vertrauen sollen. Sie nimmt ihn liebevoll in ihre Arme und fliegt mit ihm, in einem mächtigen, hellen Lichtschein davon.

Mathias sitzt nun schon fast ganz alleine hier bei uns und ich rufe seine Angehörigen zu ihm. Es erscheint seine Oma, die ihn liebevoll in ihre Arme nimmt. Sie sagt, dass der Rest der Familie drüben schon auf ihn wartet.


Kommen wir zum Paul, auch bei ihm rufe ich seine Angehörigen zu ihm. Es erscheint seine ältere, resolute Schwester, sein großer, dicker Vater, der Fleischer ist und seine unscheinbare, dünne, kraftlose Mutter. Es ging damals vom Vater aus, Pauli wegzugeben. Er war Schuld, auch diesmal ließ er kein gutes Haar an ihm und nörgelte herum, bis die große Schwester dies REGELTE. Alle gingen dann in Liebe hinüber.

Ach da war doch noch jemand der kleine Gustav, auch bei ihm rief ich seine Angehörigen und es erschien seine Mama, und sein Vater, die ihn sofort glücklich in die Mitte nahmen und mit ihm davon flogen.

Der letzte Bub der Herbert stand ganz schüchtern bei der Eingangstür und ja ich holte auch für ihn die Angehörigen her und es kam seine kleine Schwester und dann noch seine Eltern. Sie freuten sich so sehr und umarmten ihn, aus vollem Herzen heraus und nahmen ihn mit.

Erst jetzt bemerke ich das leise Weinen von Erich, er saß immer noch da und hat sich jede Geschichte der Buben angehört. Es rührte ihn so sehr und er machte sich furchtbare Vorwürfe. Nun wirkt er nicht mehr gefasst und streng, das Weinen wurde immer lauter und mehr, er beruhigt sich kaum noch. Ich rufe auch für ihn seine Familie und sehe schon von weiten, seine Frau und seine 2 entzückenden Kinder. Auch seine Eltern kommen zu ihm und stellen sich hinter ihn, sie klopfen ihn auf die Schulter und sagen: " Es ist alles GUT mein BUB. Seine Frau und die Kinder umarmen ihn und schmiegen sich an ihn. Es geht das Gefühl von Frieden durch die Wolfshütte. Sie nehmen ihn mit hinüber. Er winkt uns noch und lächelt. Wie wunderbar!!!!!


Nun schließen wir die Sprechstunde und beenden alles mit einer Friedensräucherung.

Mögen sie es in den nächsten Leben leichter haben.


Die HabichtHex♥